Banken Aktuell
Arbeitsmaterialien für den Unterricht
Autor: Werner Heiring
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Risikokennzahlen für Wertpapiere
Vor dem Hintergrund, ob der Privatanleger das mit einem bestimmten Wertpapier verbundene Risiko verkraften kann, haben Kreditinstitute verschiedene Bewertungsmodelle entwickelt.
Ein Bewertungsmodell hilft jedoch nicht nur den Anlegern, sondern auch den Kreditinstituten bei der Begrenzung der Risiken aus der Beraterhaftung.
Ein Bewertungsmodell leitet aus der Bewertung verschiedenster Risikokomponenten eines Produkts eine einzelne Risikokennziffer ab. Damit prüft der Kundenberater, ob das Wertpapier zum vorher ermittelten Kundenprofil passt. Dieses Profil wird aus der persönlichen Risikoneigung abgeleitet.
Es gibt fünf Risikoklassen, die von "konservativ" bis "hochspekulativ" reichen und denen bestimmte Niveaus der Risikokennzahlen zugeordnet sind.
Das Modell bewertet sowohl einzelne Aktien als aus verzinsliche Wertpapiere und Investmentfondsanteile. Die Bewertung wird mindestens einmal im Jahr akualisiert.
Das Bewertungsmodell basiert auf acht Basisriken:
- Länderrisiko: Sofern ein Länderrisiko besteht, wird das Wertpapier in Risikoklasse 5 eingestuft,
- Währungsrisiko: Grundlage ist die geschätzte Volatilität (statistisches Maß für die Schwankungsstärke) der Währung gegenüber DM und EUR,
- Liquiditätsrisiko: Die Ausführung einer typischenTransaktion eines Privatanlegers wird allein aufgrund der Ordereinteilung keine Auswirkung auf den Kurs haben (kein Risiko, Bewertung: 0, möglicherweise den Kurs beeinflussen (geringes Risiko: 1) oder sogar unsicher sein (hohes Risiko, 2),
- Bonitätsrisiko: Gefahr der Zahlungsunfähigkeit oder Illiquidität des Anleiheschuldners bzw. der Insolvenz der AG. Sie wird in Anlehnung an die Einstufung von Ratingagenturen mit sehr geringem (Bewertung: 0), hohem (2) und sehr hohem Risiko (3) bewertet,
- Zinsänderungsrisiko: Es ergibt sich grundsätzlich nur für Anlagen mit Rentencharakter und wird als "modified duration" definiert, einem mathematischen Maß zur Beurteilung der Zinsempfindlichkeit von Rentenanlagen,
- Kursänderungsrisiko: geschätzte Volatilität der erwarteten Aktienkursbewegungen in lokaler Währung,
- Risiko des Totalverlustes: Risiko, dass ein Wertpapier schon aufgrund seiner Konstruktion wertlos werden kann, z.B. Optionsschein. Die Spanne: kein Risiko (0), geringes Risiko (1), hohes Risiko (2), sehr hohes Risiko (3),
- Ertragsrisiko: Risiko von Schwankungen des laufenden Ertrages, z.B. von Dividenden. Die Spanne wie bei Risiko des Totalverlustes.
Die Kennziffern werden für jedes Basisrisiko mit einem festgelegten Gewichtungsfaktor versehen. Er soll die Vergleichbarkeit herstellen. Die Höhe des Gewichtungsfaktors richtet sich nach dem Einfluss des Basisrisikos auf einen potenziellen Verlust des Anlegers. Deshalb wird dem Risiko des Totalverlustes der höchste Faktor zugeordnet.
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Aus den Bewertungskennziffern und den Gewichtungsfaktoren ergeben sich durch Multiplikation unmittelbar die Punktzahlen, die - als Summe - in der Gesamtrisikopunktzahl mündet.
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Das Anlagerisiko bei Anleihen liegt im Gegensatz zu Aktien vor allem in Wertschwankungen als Resultat von Veränderungen des Kapitalmarktzinses sowie im Bonitätsrisiko.
Beispiel: Aktie Coca-Cola
| Bewertung | Gewichtungsfaktor | Punktzahl |
Währungsrisiko | 5,7 | 6 | 34,2 |
Liquiditätsrisiko | 0 | 10 | 0 |
Bonitätsrisiko | 0 | 20 | 0 |
Zinsänderungsrisiko | 0 | 8 | 0 |
Kursänderungsrisiko | 26,17 | 6 | 157,02 |
Risiko des Totalverlustes | 0 | 80 | 0 |
Ertragsrisiko | 1 | 10 | 10 |
Gesamtrisikopunktzahl (hohes Verlustrisiko) | |
| 201,22 |
(8. August 2000)
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